von inNews am26. Februar 2018 Kommentare deaktiviert für Vero: True Social – Kritik am neuen Sozialen Netzwerk

Vero: True Social – Kritik am neuen Sozialen Netzwerk

Erst auf Instagram, dann auf Facebook. Immer mehr meiner „Freunde“ in den Sozialen Netzwerken haben verlauten lassen: „Ich bin jetzt auf Vero“. Als das immer mehr wurden und ich das Feld der Early Adapter nicht voll diesen Bekannten überlassen wollte, habe ich mir auch einen Account im neuen Sozialen Netzwerk Vero erstellt. Und war freudig von den Funktionen und dem frischen Ansatz Social Media zu denken. Gibt es einen Haken? Ja: Das Team hinter der App ist alles andere als seriös und ich tu mich wirklich schwer damit ihnen die edlen Ziele abzukaufen.

Schon bei der Anmeldung anders

Aktuell ist Vero nur als App, die Sie sich im Google Play Store oder dem App Store herunterladen lässt, verfügbar. Es gibt keine Web Version. In Anbetracht dessen, dass im ersten Quartal 2017 27 Millionen von 30 Millionen Facebook Nutzern das Netzwerk Mobil nutzen und Instagram auch keine Web Version besitzt, ist das aber nichts aussergewöhnliches. Die Anmeldung erfolgt nach dem Download der App mit Eingabe der E-Mail und dem Ausdenken eines Passworts. Die erste Besonderheit kommt jetzt: Vero möchte Ihre Handynummer. Offiziell, weil Sie über Ihre Handynummer besser als richtiger Mensch identifizierbar sind als über eine relativ leicht anzulegende E-Mail. Die Nummer wird nach Angaben von Vero nur dafür genutzt, Sie zu verifizieren. Ob ich der App das abkaufe: Nein.

 

Warum jetzt alle so auf Vero abgehen

Die großen Sozielen Netzwerke haben sich in der Wahrnehmung vieler Nutzer immer mehr zu „Public Profiling Netzwerken“ entwickelt. Nur wenn Sie mit Ihren Inhalten maximale Interaktion erzielen sehen viele Menschen was Sie teilen, den Algorithmen sei dank. Auch die Postings von Privatpersonen werden nicht an alle Freunde ausgeliefert. Auch wenn Mark Zuckerberg mit dem Update seines Newsfeeds genau hier Abhilfe schaffen wollte, so richtig viel hat sich nicht geändert. Ich sehe kaum etwas von meinen Freunden, viel Werbung und Postings von Seiten die viele Interaktionen haben und darum vom Algorithmus für mich als interessant befunden werden. Vero geht hier einen anderen Weg: Die App unterscheidet zwischen vier Kategorien von Kontakten. Follower, Bekannte, Freunde und enge Freunde. Sie können einstellen, dass enge Freunde ein anderes, vielleicht nicht so seriöses Profilbild von Ihnen zu sehen bekommen, als Ihr Arbeitskollege. Auch die Postings die Sie absetzen, können nach diesem System nur bestimmten Menschen aus Ihrer Freundesliste zugänglich gemacht werden. Übrigens: Sie wissen nicht unter welcher Kategorie Sie Ihr Gegenüber eingeordnet hat und andersherum. Die Idee ist genial. Postings liefert Vero im Gegensatz zu den Großen nicht mit einem Algorithmus aus, sondern linear. Klingt auch nicht schlecht.

Unser Podcast zum Thema Vero

Das Geschäftsmodell

Wie finanziert sich das Geschäftsmodell hinter der App? Zum einen über In-App-Transaktionen. Das heißt, wenn Sie über die App von einem Freund ein Buch empfohlen bekommen, können Sie es direkt in Vero kaufen. Und die App verdient mit. Außerdem plant das Unternehmen einen kleinen Mitgliedsbeitrag zu erheben, den alle Nutzer, die nicht zu den ersten 1.000.000 gehören zahlen müssen. So wie einst bei WhatsApp. Die Idee ist nicht schlecht. Da sie den User, der bei Facebook und Co. eher wie die Milchkuh Elsa ein Produktionsgut ist, zum Kunden macht. Bei den klassischen Sozialen Netzwerken sind die Kunden die Werbetreibenden. Zukünftig denkbar wer auch eine Funktion, wie Sie WeChat bereits anbietet. Hier können User über die App durch das Scannen eines QR Codes ganz einfach bezahlen. Die Transaktionsgebühr streicht WeChat ein. So etwas ist aber aktuell wohl nicht geplant. Ob die breite Masse bereit ist für ein werbefreies Soziales Netzwerk zu zahlen wage ich zu bezweifeln. Facebook macht mit einem Nutzer im Jahr circa 8 Dollar Umsatz (16.000.000.000 Dollar Umsatz 2017 : 2.000.000.000 Nutzer Weltweit), was theoretisch auch ein mittelfristiges für Vero Benchmark von unter einem Dollar pro Monat und Nutzer wäre. Plus Transaktionsgebühren.

Ist Vero das erste Influencer Network?

Werbung in der Form, wie sie aktuell in den klassischen Sozialen Netzwerken stattfindet, gibt es bei Vero nicht. Alles klar. Wasser bahnt sich aber immer den Weg des geringsten Wiederstands. Wie könnte Werblicher Content auf Vero also aussehen? Die App ist ein Paradies für Influencer. Besonders ihnen ist es auch zu verdanken, dass die App besonders in den letzten Wochen so durch die Decke ging. Die Vermutung lag nah, dass die Influenzier dafür bezahlt wurde, was aber nach Aussage mehrerer Ihrer Gattung nicht der Fall war.


Die Intention könnte aber eine andere sein. Vero ist ein Paradies für Influencer, da Sie der einzige Zugang der Werbeindustrie zu den Usern der App sind. Nur wenn Sie als Unternehmen einem Influencer mit vielen Follower dazu bekommen ihr Produkt, Ihre Dienstleistung oder Ihre Marke im Netzwerk zu platzieren, nur dann haben Sie Zugang. Das erhöht wiederum die Nachfrage nach Produktplatzierungen durch Influecner und würde, nach den Regeln des Marktes, die Preise und damit die Umsätze der Influencer nach oben treiben.

Der libanesischer Milliardenerbe Hariri

Neben Infulencern wäre da noch der Geschäftsführer von Vero, Ayman Hariri. Der ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Nach der skandalbedingten Geschäftsaufgabe des saudischen Bauunternehmens Saudi Oger, in dem Hariri als stellvertretender Geschäftsführer engagiert war, hat das Ganze ein faden Beigeschmack. Das Unternehmen zahlte wohl über Monate hinweg ihren asiatischen Arbeitern keine Gehälter und sperrte Sie sogar aus der Kantine aus, sodass die Arbeiter nach 16 Stunden Tagen betteln gehen mussten um über die Runden zu kommen. Das klingt nicht nach jemandem, dem Menschen am Herzen liegen. Vielmehr nach blanker Geldgier. Da ich aber kein Investigativjournalist bin, kann ich hier nur wiedergeben, was die ersten paar Seiten Google zu Herrn Hariri ausgespuckt haben.

Meine Kritik an Vero

Soziale Netzwerke haben per se ein Problem. Selbst wenn grundsätzlich „gute“ Menschen mit einer edlen Vision hinter den Unternehmen stehen, wie ich das bei Google und Facebook jetzt mal impliziere. Selbst dann geraten diese Unternehmen immer wieder in Konflikte mit Gesetzen, ihren Usern und ihren Kunden. Wie soll das dann werden, wenn hinter einem Sozialen Netzwerk mit einem wirklich nötigem Konzept, aber unseriösen Leuten dahinter auf den Markt kommt? Was erwarte ich von einem Unternehmer, der kein Problem damit hatte menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in einem Land zu akzeptieren, in dem Straftätern noch regelmäßig der Kopf abgeschlagen wird. Will man das? Das ist für mich persönlich aktuell die größte Frage, die ich für mich aktuell so beantworte: Ich fühle mich mit der Sache nicht wirklich wohl und hoffe, dass Facebook, Instagram oder Snapchat die Funktionen kopiert und sich an der Konkurrenz ein Beispiel nimmt.

Vero in a Nutshell: Das Imagevideo

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