LinkNYC Free Wifi in New York
von inWissenswertes am26. Februar 2018 Kommentare deaktiviert für Free Wifi in New York – The Price You Pay

Free Wifi in New York – The Price You Pay

Kostenloses WLAN in ganz New York, für jeden zugänglich, fast überall. Was klingt wie die nächste Vision von Zuckerberg und aussieht wie eine Mischung aus Star Wars und Bladerunner ist in New York Set seit 2016 Realität. Ich bin zufällig über LinkNYC auf der Suche nach WLAN Hotspots in New York gestolpert und habe mich selbst von der „Telefonzelle des 21. Jahrhunderts“ überzeugt. Am meisten hat mich aber überrascht, auf wessen Initiative LinkNYC zurückgeht und wer dahinter steht.

Kostenloses WLAN in New York: Wie funktioniert LinkNYC?

Der Kern von LinkNYC sind im ganzen Stadtgebiet verteilte circa 3 Meter hohe Säulen. Auf der Vorder- und Rückseite ist je ein großer Bildschirm eingelassen, auf dem Werbeanzeigen abgespielt werden. Die Wifi-Kioske – so die offizielle Nomenklatur – sehen im Grunde aus wie ein sehr abgespacted aufrecht stehendes Bügelbretter. An der schmalen, dem Gehweg zugewandten Seit befindet sich ein, in die Säule eingelassenes Tablet, eine Tastatur und diverse Anschlüsse für persönliche elektronische Geräte. Über diese Anschlüsse könnten Sie Ihr Mobiltelefon laden, über Ihr eigenes Headset Telefonanrufe tätigen und Notrufe absetzen. Aktuell nur innerhalb der USA. Das Tablet können Sie wie einen normalen Computer benutzen um zu surfen, Nachrichten zu lesen oder um Videos zu sehen.  Rund um jede Link Säule haben Sie  im Umkreis von 45-140 Metern kostenlosen WLAN-Epmfang. Um den Hotspot zu nutzen, müssen Sie sich mit dem LinkNYC Netzwerk verbinden und dann in einem Anmeldefenster Ihre Mailadresse hinterlegen. Im Großraum New York sind aktuell 1361 Säulen aktiv. Die aktuelle Zahl können Sie hier einsehen.

Kostenlos? So wird der Dienst finanziert

Kostenloses WLAn für alle, das klingt grundsätzlich erstmal sehr edel. Besonders in US-Amerikanischen Großstädten, in denen die Obdachlosenzahlen durch immer weiter explodierende Mieten beflügelt werden. In New York alleine haben 25% der Bürger keinen Zugang zum Breitband Internet.  Wir wären aber nicht in Amerika, wenn dahinter nicht ein umfangreiches, kommerzielles und politisches Kalkül stecken würde. LinkNYC finanziert sich vollständig über die Werbeeinnahmen der Säulen selbst. Nach Angaben der Betreiber wird die Stadt New York in 12 Jahren über 500 Millionen Dollar verdienen. Ohne die Steuerzahler mit Ausgaben für die Einrichtung zu belasten. Die grundsätzliche Idee ist ja auch genial: Wie bringe ich als Anbieter meine Rezipienten dazu länger vor einer Werbetafel zu verweilen? Ich belohne sie dafür, indem ich Ihnen im Gegenzug kostenloses Internet zur Verfügung stelle. Die Verweildauer der Werbezielgruppe steigt hierdurch natürlich massiv an. Außerdem haben die in den Kiosks installierten Kameras für die Stadt noch einen ganz anderen Vorteil. Dazu aber später mehr.

Die Unternehmen hinter der Konzept

Hinter dem Projekt steckt ein Investorenkonsortium aus den Unternehmen: Intersection, Qualcomm und CIVIQ Smartscapes – Genannt CityBridge. Viel Interessanter ist aber, dass das Konzept und das Zusammenbringen der Investoren auf die Abteilung für urbane Innovationen eines großen Internetunternehemens zurück geht: Den Sidewalk Labs von Google. Vor diesem Hintergrund bekommt LinkNYC einen ganz anderen Beigeschmack. Was uns zu einem zwar sehr deutschen, in diesem Zusammenhang aber nicht unwichtigen Thema bringt.:

Datenschutz: Personalisierte Werbung, Videoüberwachung und Service Improvements

Schon der Spiegel berichtete 2016 zur Einführung der Kiosks darüber: LinkNYC hat einige „Features“ die auch so in einem Überwachungs-Sci-Fi-Film authentisch wirken würden. Die eingebauten Kameras zum Beispiel: Offiziell dafür gedacht, Vandalismus vorzubeugen. Nach Angaben der Betreiber wird das Videomaterials nach 7 Tagen gelöscht, außer wenn einem Zwischenfall nachgegangen wird. Viel brisanter ist aber, dass die Videoaufnahmen auch dafür genutzt werden können „Services“ zu verbessern, das bedeutet auch, dass gegebenenfalls Google über die Säulen „Augen“ in der Stadt hat und sehen kann, wie Menschen auf die geschalteten Werbeanzegein reagieren.

CityBridge’s privacy policy and we will not use or share this footage except (1) to improve Services and ensure the performance and security of the structures, (2) to detect or address illegal activity with a Link, (3) in response to vandalism, or (4) when required by law or to protect your safety, including during an emergency involving potential harm.

-Auszug aus dem FAQ von LinkNYC

Das bekommt ein ganz schönes „Geschmäckle“ wenn man das vor dem Hintergrund von Googles jüngst vorgestellten System zur Gesichtserkennung, FaceNet, betrachtet. Das System kann mit 86 bis fast 100 prozentiger Wahrscheinlichkeit Personen (und damit besser als der US-Geheimdienst) aus der eigenen Datenbank am Gesicht erkennen. In einer nicht allzufernen Zukunft brauchen Sie sich (in New York) keine Sorgen mehr machen, jemals unbeaufsichtigt zu sein. Google und seine aktuell über 1361 Augen, haben Sie immer im Blick. Von den Sicherheitsbehörden, die selbstverständlich auch Zugang zu den Kameras haben mal ganz abgesehen.

Nichts ist Umsonst! Es kostet höchstens kein Geld

LinkNYC ist im Grunde wie Google Drive. Die Idee ist mega, den Preis den man dafür zahlt ist die Ungewissheit. Wenn Sie nicht mit Geld bezahlen, dann heute immer öfter mit Ihren Daten und Privatsphäre. In Deutschland sind wir meiner Meinung nach eine gute Ecke von einem Szenario wie in New York entfernt, die Stadt London plant das Konzept nach England zu holen. In Zeiten der Datenschutzgrundverordnung können wir aber froh sein, wenn wir in Deutschland überhaupt noch das Internet benutzen dürfen, ohne eine Abmahnung wegen Missachtung der DSGVO zu erhalten.